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11 Mai 2018

Ein Küsschen vom Alpaka

Wenn John und Ursus zu Besuch kommen, herrscht gespannte Vorfreude im Magdalenenhof. Die beiden zutraulichen Alpakas sind gern gesehene Gäste.

An sonnigen Tagen versammeln sich die Senioren gern im Garten, um die beiden kleinen Kamele in Empfang zu nehmen. „Die Alpakas sind aber auch stubenrein und können Aufzug fahren“, erklärt Doreen Gutjahr, Einrichtungsleiterin des Magdalenenhofs. So können Bewohner, die nicht mehr mobil sind, sogar in ihren Zimmern besucht werden. Seit inzwischen zwei Jahren kommen die ungewöhnlichen Therapietiere regelmäßig in die Einrichtung und die Resonanz ist überwältigend.

Auf Tuchfühlung mit den Tieren

„Das Fell fühlt sich fast wie bei einem Schaf an, irgendwie fest und dennoch weich“,  freut sich Sigrid Kamyer, die erst wenige Monate im Magdalenenhof lebt und noch nie zuvor einem Alpaka so nah gekommen ist. Die rüstige 77-jährige kommt ursprünglich aus Cuxhaven und fühlt sich schon richtig wohl in ihrem neuen Zuhause. Nur ihren Hund vermisst sie sehr und daher ist der tierische Besuch natürlich eine besondere Abwechslung. Beherzt krault sie John an Brust und Rücken, das mag der Vierbeiner gern.

Noch mehr mag er allerdings Möhren und offenbar den pinken Lippenstift, der Sigrid Kamyers Markenzeichen ist. Und so gibt es ein besonders zartes Küsschen, als das Alpaka ganz behutsam die Möhrenscheibe stibitzt, die Frau Kamyer ihm mutig mit den Lippen entgegenhält.

Und während Ursus und John geduldig von einem Bewohner zum nächsten geführt werden, merkt man deutlich, wie sich die Laune der Senioren hebt. „Ich will auch mal das Alpaka küssen, sonst macht das ja keiner mehr“, scherzt einer der Herren. Und sein Sitznachbar kommentiert: „Du darfst aber nicht atmen beim Küssen – das Alpaka riecht nach Stall.“

Solche glücklichen Momente machen den Zauber des Alpaka-Besuchs aus. „Unsere Bewohner zehren von diesem schönen Erlebnis tagelang“, weiß Ergotherapeutin Elke Bischof. Sie arbeitet schon seit 21 Jahren im Magdalenenhof und hat dieses Projekt von Anfang an unterstützt. Inzwischen ist sie selbst ein begeisterter Alpaka-Fan  und von der therapeutischen Wirkung überzeugt: „Die Tiere haben ein sehr sanftes Wesen und geben unseren Bewohnern positive Impulse und neue Energie.“ Liebevoll unterstützt Elke Bischof auch die Bewohner, die selbst nicht mehr die Kraft haben, die Tiere zu streicheln. Dann führt die Therapeutin der Senioren vorsichtig über das Fell oder legt Karottenscheiben direkt auf deren Bein oder Arm. So spüren sie die beruhigende Nähe der Tiere und danken es ihnen mit einem Lächeln.

 

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