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25 April 2019

Traditionen leben im Pflegeheim

Die 93-jährige Anna Elisabeth Feld ist eine echte Schwälmerin und kleidet sich seit ihrer Kindheit ganz traditionell. Auch die Tatsache, dass sie im Seniorenheim lebt, hält sie nicht davon ab, täglich ihre passende Tracht anzulegen.

Es ist kalt draußen, die Sonne schickt ein paar Strahlen ins helle Zimmer der Seniorin Anna Elisabeth Feld. Hier sitzt sie, in einem schwarzen Kleid, mit langen weißen Strickstrümpfen und einem lilafarbenen Tuch um die schmalen Schultern.

Seit knapp zwei Jahren wohnt Frau Feld in dem Pflegeheim in Schwalmstadt. Es war ihr sehr wichtig, auch hier ihre gewohnte Kleidung tragen zu können. Und so kommt es, dass das erste Ritual am Morgen im Zimmer der Hessin dem Anlegen der traditionellen Kleidung gilt. Ganz wie es der Brauch vorsieht, unterschiedet sie zwischen Werk- und Feiertag. Ausnahmen gibt es keine.

Traditionell gekleidet von Kopf bis Fuß: Anna Feld trägt auch im Korian-Pflegeheim noch ihre "Schwälmer" Tracht.
Traditionell gekleidet von Kopf bis Fuß: Anna Feld trägt auch im Pflegeheim noch ihre „Schwälmer“ Tracht.

„Die Haare macht sie sich morgens sogar selbst. Bei der Tracht helfe ich ihr“, sagt Alltagsbegleiterin Tatjana Landgraf. Und auch wenn die Kleidung aus schwerem Tuch ist, „ist der Prozess nicht schwierig. Mit Frau Feld ist es immer sehr angenehm.“

Anna Elisabeth Feld ist im hessischen Merzhausen geboren, arbeitete Zeit ihres Lebens in der Landwirtschaft. Im Alter von zwei Jahren trug sie erstmals ein Trachtenkleid. Die sogenannte „Schwälmer“ sieht für bestimmte Altersklassen und Lebenssituationen jeweils passende Textilien vor und Anna Elisabeth wuchs in diese im wahrsten Sinne des Wortes hinein.

„Es ist ein richtig ausgeklügeltes System“, erklärt Alltagsbegleiterin Nicole Horn, die sich mit der Tradition beschäftigt hat. „Die Farben sagen etwas aus, genauso wie auch die Strickmuster, zum Beispiel über Stellung und Herkunft.“

Im Schrank hängen und liegen alle Kleidungsstücke, die Feld in den Jahrzehnten angefertigt hat. Ihre Mutter und ein Onkel, der Trachtenschneider war, haben sie in das kunstvolle Handwerk eingeweiht. Seit der Jugend hat sie alles selbst genäht. „Man ist einfach stolz, wenn man die Tracht tragen kann“, sagt Anna Elisabeth Feld.

Auch wenn so manche Traditionen in der Heimat von Frau Feld am Aussterben sind – im KORIAN-Haus Phönix Hessenallee dürfen diese weiterleiben. Fast 30 Bewohner sprechen hier manchmal noch das typische Schwälmer Platt, das sie von klein auf gelernt haben. „Ich kann es verstehen“, sagt Nicole Horn. „Aber mitreden kann ich nicht.“

Und Anna Elisabeth Feld tut mit der Wahl ihrer Kleidung das Übrige, um Traditionen zu pflegen. Auch dank ihres empathischen Umfeldes, dem es wichtig ist, dass die Menschen ihre Individualität pflegen können. „Die Tracht trage ich so lange bis ich nicht mehr bin.“

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